Vorwort zur Ahnentafel

 

 

Seit den neunziger Jahren versuche ich Material und Daten über unsere zahlreiche Familie zu sammeln. Leider fing ich damit zu spät an. Obwohl mehr als zehn Jahre eine lange Zeit zu sein scheint, ist sie gemessen an der Aufgabe viel zu kurz. Familienforschung ist eine Lebensaufgabe. Ernsthafte Ahnen- und Familienforschung bedarf umfangreicher Recherchen, viel Mühe, auch finanziellen Einsatz und natürlich Hingabe und Liebe zur Sache. Wer aber einmal von dem Virus "Familienforschung" befallen ist, für den gibt es keine Medizin oder Therapie ihn wieder los zu werden. Das Ergebnis - das Wissen um die eigene Herkunft, die Lebensumstände, das Kennen der Lebensräume, die Begebenheiten und vieles andere mehr - entschädigt alles. Ich glaube, dass es in unserer geschichtslosen Zeit sehr wichtig ist, sich seiner eigenen Wurzeln bewusst zu sein. Der Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß sagte einmal: "Nur wer die Geschichte kennt, kann seine Zukunft gestalten", oder wie Prof. Manfred Fuhrmann von der Universität Erlangen-Nürnberg es ausdrückt, der für eine umfassende Bildung eintritt, „es pflegt derjenige, der keine Vergangenheit hat, auch keine Zukunft zu haben“, oder mit John Dos Passos (1896-1970) Worten „Das Bewusstsein der Verbundenheit mit früheren Generationen kann wie eine Rettungsleine durch die schwierige Gegenwart sein“. Ich halte das für wichtige Sätze.

 

Ahnen- und Familienforschung ist eine komplexe Angelegenheit. Sie ist und wird niemals vollständig sein, sondern entwickelt sich fortwährend weiter. Zu irgendeinem Zeitpunkt muss man sich deshalb entschließen seine Ergebnisse in eine Form zu bringen, was ich mit dieser Ahnentafel tue. Alles was ich bis

 

Februar 2012

 

zusammengetragen habe, ist in dem vorliegendem Werk enthalten. Alles was danach kommt werde ich sammeln und zusammenschreiben zur Fortschreibung der Ahnentafel.

 

Angefangen hat alles mit dem "Arischen Nachweis", den jeder Beamte Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erbringen musste. So auch mein Vater, der Polizist in Nürnberg war. Für zwei oder drei Generationen zurück waren beglaubigte Urkunden von Standes- und Pfarrämtern beizubringen. Konnte das nicht geschehen, musste aus der Erinnerung der Staatsdiener und deren Verwandtschaft die Ahnenfolge aufgeschrieben werden. Dieser Nachweis war die Ausgangsbasis meiner Nachforschungen. Leider haben wir alle es versäumt, als es noch Zeit war, unsere Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln mit Fragen zu löchern. Manches Hintergrundwissen, viele Geschichten und Begebenheiten, die heute unwiederbringlich verschüttet sind, wären noch zu Tage getreten und erhalten geblieben.

 

Sehr früh schrieb ich die gesamte Verwandtschaft väterlicher- und mütterlicherseits von mir und meiner Frau Brigitte an, um zunächst einmal die lebenden Personen zu erfassen. Alle antworteten mir und stellten bereitwillig ihre Lebensdaten zur Verfügung. Die vorliegende "Ahnentafel" ist somit auch eine "Nachkommensliste", weil ich jedem "Linienahn" zugleich seine Nachkommen zuordnetete (soweit ich sie eben habe). Danach begann ich mit der Erforschung unsere Vorfahren.

 

Dabei kam Erstaunliches an den Tag. Es erfüllte mich schon mit etwas Stolz, als ich z.B. erfuhr, dass das Haus, das mein Ur-(3)Großvater Josef Gindhart für seinen Bruder Johann Michael Gindhart und dessen zahlreicher Familie in Linder, dem heutigen Areal des Schlosses Linderhof, als Zuhaus erbaute und das von König Maximilian von Bayern und seiner Familie, darunter auch der spätere König Ludwig II., später jahrelang als Feriendomizil genutzt wurde. Das wenn mein Vater gewusst hätte, der ein glühender Verehrer des Bayerischen Königshauses war, insbesondere von König Ludwig II.! Dieses Haus ist vom Freistaat Bayern in den neunziger Jahren renoviert und saniert worden und wird heute das „Königshäuschen“ genannt.

Bemerkenswert ist auch, dass unsere Vorfahren aus den Linien Gündhart-Winterholler-Schlatter-Berwein-Pischl-Walhöfer und Kluth außerordentlich bodenständig waren. Die Gindharts/Gündharts kommen ausschließlich aus dem Ettaler Gebiet, die Berweins lupenrein aus Partenkirchen, die Pischls in ihrer Mehrzahl aus Grainau, die Winterholler nur aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau und die Walhöfer und Kluths ausnahmslos aus dem katholischen Ermland in Ostpreußen speziell aus den Kreisen Allenstein und Rössel. Die Linie „Schlatter„ stammt aus Flies in Tirol. Erst nach dem 2. Weltkrieg setzte eine fast explosionsartige Verbreitung der Verwandtschaft ein. So finden sich heute Verwandte in ganz Deutschland, in den USA, in Kanada, in Österreich, in England, in Australien und durch meinen Bruder Heinz sogar in Indonesien (1957 – 2004).

Ich übergebe diese Ahnentafel meinen Söhnen und hoffe, dass sie dieses Buch in Ehren halten und, so Gott will, ihren Nachkommen weiterreichen.

 

Bernhard Gündhart